Text von Br. David Steindl-Rast OSB

danken preisen segnen titelCopyright © - Georg Stahl

Das Herz sieht voller Staunen, dass diese gegebene Welt und alles, was wir in ihr finden, letztlich Geschenk ist. Auf diesen Geschenkcharakter aller Dinge antwortet das Herz mit danken, preisen und segnen.

Das menschliche Herz wurde zum allumfassenden Lobpreisen und Rühmen geschaffen.

Solange wir auswählen und zurückweisen und unser Lob von unserer Billigung abhängig machen, kommt unsere Antwort nur aus halbem Herzen.

Unser Herz als ganzes aber ist mit der ganzen Wirklichkeit in Einklang. Und Wirklichkeit verdient unser Lob.

Mit klarem Blick erkennt das Herz den letztendlichen Sinn von allem: Segen.

Und mit klarem Entschluss antwortet das Herz mit dem letztendlichen Lebenszweck:

Danken, preisen, segnen.

«Rühmen, das ists!» ruft Rilke in seinen Sonetten an Orpheus aus.[1]

Und Orpheus, das Urbild des Dichters, der Mensch in seiner göttlichsten Gestalt, wird uns als «ein zum Rühmen Bestellter» gezeigt.

Ein zum Rühmen Bestellter,
ging er hervor
wie das Erz aus des Steins
Schweigen.

Das Bild lässt an das Erz für Glocken denken. In einem anderen Bild ist sein Herz eine Kelter. Die Zeit des Traubenpressens geht vorüber, der Wein des Rühmens jedoch hält sich. Nicht einmal der Moder in den Grüften der Könige straft seine Rühmungen Lügen. Seine Botschaft bleibt. Noch weit in die Türen der Toten hinein trägt er Opferschalen mit rühmlichen Früchten.

Vom menschlichen Herzen sagt Rilke in seinen Duineser Elegien:

Zwischen den Hämmern besteht
unser Herz, wie die Zunge
zwischen den Zähnen, die doch,
dennoch die preisende bleibt.

Danken, segnen und preisen: alle drei gehören zur Dankbarkeit.

Keines dieser Wörter reicht ganz zu.

Loben und preisen mag sich für das Alltagsleben zu formell anhören.

Vielen mag der Klang des Wortes segnen zu sehr nach Weihrauch riechen, um sich damit wohlzufühlen.

Das Danken wiederum lässt eher an eine höfliche Konvention denken, als an die universelle Haltung zum Leben, die wir hier meinen.

Aber jeder einzelne dieser drei Begriffe fügt der Dankbarkeit einen Aspekt hinzu, den die anderen zwei nicht betonen.

Das Preisen betont die Antwort auf einen Wert.

Das Segnen hat einen religiösen Unterton.

Das Danken weist auf die persönliche Verpflichtung.

Nur zusammengenommen machen diese drei aus Dankbarkeit uneingeschränkte Dankbarkeit.

Und plötzlich ist alles ganz einfach. Wir können all die großen, sperrigen Worte vergessen.

Dankbarkeit sagt alles.

Und Dankbarkeit ist etwas, das wir alle aus Erfahrung kennen.

Kann spirituelles Leben wirklich so einfach sein?

Ja, was wir insgeheim erhofften, stellt sich als wahr heraus: es ist alles ganz einfach.

Es ist eigentlich gerade diese Einfachheit, die uns so schwierig erscheint.

Aber warum vergessen wir nicht all die Komplikationen, die wir selbst auf unserem Weg auftürmen?

Was Erfüllung bringt, ist Dankbarkeit, die einfache Antwort des Herzens auf dieses uns gegebene Leben in all seiner Fülle.
[FN 1) 68, 71-73.; 2-5) 71, 74f.; 6) 72, 75-77]

[1] Einsichten aus Rilkes Dichtung mit Bruder David in Flüeli-Ranft / CH: Die den Kurs begleitenden Gedichte (2014), 4



Quellenangaben

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