bild1Der Frauentreff und das Katholische Bildungswerk Mattsee (AT) baten Andrea Kuprian-Farcher, Gastgeberin der dankbar leben-Gruppe Ried im Innkreis, im August einen Impulsvortrag zu halten, mit dem Ziel, in Mattsee eine eigene dankbar leben-Gruppe zu gründen, die von der Erwachsenenbildnerin des Katholischen Bildungswerks,
Silvia Kemperling, geleitet werden wird. Der Abend war ein voller Erfolg.

 

Vortrag Mattsee – August 2022 von Andrea Kuprian-Farcher

«Willst du glücklich sein, sei dankbar»

Ist Dankbarkeit eine Möglichkeit glücklich zu sein – ist es wirklich so einfach — ich meine unbedingt ja, denn ich habe es vielfach erfahren. Ich hoffe, dass ich euch heute hier dazu ermutigen, anregen und inspirieren kann, damit selbst zu experimentieren.

Wenn Dankbarkeit zu dankbar leben werden darf, ist es die sicherste Grundlage Glück zu erfahren.

Dankbar leben ist keine Höflichkeitsform oder gutes Benehmen. Es ist viel mehr als das.

Dankbar leben gründet meist in freudigen Begebenheiten oder Geschenken des Lebens und freut sich über diese, aber der grundlegende Unterschied ist, dass sie eine Lebenshaltung ist. Sie ist mit uns verbunden, hat mit unserem Herzen zu tun. Sie ist auch da, wenn es einmal keinen Grund zum Danke sagen gibt, wie bei Krankheit, Verlust, schweren Lebenssituationen.

Dann fragt dankbar leben – was ist die Gelegenheit in dieser Situation? Vielleicht ist das eine Gelegenheit zu wachsen, zu reifen, zu verändern, nein zu sagen, Neues zu wagen, dich mutig dem Leben zu stellen und mit ganz neuen Erkenntnissen daraus hervorzugehen.

Und diese Gelegenheit kannst du aktiv ergreifen.

Ich möchte euch gerne an einer tiefen Erfahrung von mir teilhaben lassen, um euch die Sache mit der Gelegenheit nahezubringen.

Dazu müsst ihr wissen, dass ich 2013 meinen Sohn Andreas durch eine schwere Krankheit verloren habe. 2015, im zweiten Trauerjahr, das mir schwerer erschien als das erste, weil es mir die Endgültigkeit, die Ewigkeit des nie wieder so seins wie es war vor Augen hielt, war ich gesundheitlich sehr angeschlagen, litt unter Schlafstörungen, hatte eine schwierige Entscheidung zu treffen und war in tiefer Trauer.

Ich lese euch jetzt auszugsweise aus meinem Buch «Danke, es geht mir gut – über die Dankbarkeit», das ich damals schrieb, vor, um euch zu zeigen, was Gelegenheit heißen kann.

Am 13. Januar 2015 saß ich wie jeden Tag auf meinem Meditationsplatz. Es ging mir nicht gut. Ich empfand einiges sehr schwierig in meinem Leben. Vor allem waren so viele Erinnerungen an die leidvollste Zeit meines Lebens. Der Verlust nahm mich unglaublich mit.

Mit diesen inneren Kämpfen und Gedanken war mir eine Meditation nicht möglich. Neben mir am Tisch lagen einige Bücher, in denen ich immer wieder lese. Der Tag sollte nicht in einer derart traurigen und aufreibenden Energie beginnen. Spontan entschloss ich mich, ein Buch aufzuschlagen, um die in meinem Kopf ablaufenden Geschichten anzuhalten oder wenigstens zu unterbrechen. Ich begann an einer beliebigen Stelle zu lesen. Dies tat ich bis zu dem Satz: «…dein Wille geschehe durch mich.» Danach stoppte ich abrupt, denn diese 5 Worte rüttelten mich ziemlich auf. Ich war ganz plötzlich sehr berührt.

Was vorher mein ganzes Denken einnahm, trat wie von selbst in den Hintergrund. Ich empfand eine zunehmende Ruhe in mir. Ich begann Tagebuch zu schreiben.

Bald bemerkte ich, dass ich in einem tranceartigen Zustand war und doch hellwach und konzentriert. Ein Großteil meiner Energie war im Brustraum, den ich äußerst lebendig spürte.

Ich sprach mir im Schreiben Trost und Geduld zu, in Bezug auf den hartnäckigen Infekt.

Ich erzählte Gott von meiner tiefen Trauer um Andreas und meinem Kummer und bat ihn um Hilfe. Seit Andreas Tod gelang es mir nur sehr selten, so aufrichtig und offen mit Gott in Kontakt zu treten. Es war ein inniges Gebet, das mir Trost und Halt gab.

Dein Wille geschehe durch mich, kam wieder in den Vordergrund. Durch die liebevolle Nähe zu Gott spürte ich eine große Bereitschaft, diese Botschaft anzunehmen. Wenn ich auch nicht wirklich wusste warum, vertraute ich letztendlich darauf, dass alles so kommen würde, wie ich es bewältigen könnte. Immer mehr Frieden kehrte in mich ein, großes Vertrauen und Sicherheit.

Wie einzelne Filmszenen liefen viele Begebenheiten aus meinem Leben vor mir ab, mit Erkenntnissen über mein Denken, mein Handeln, meine Wertigkeiten. Mir schien, als würde ich mich in diesem Moment sehr gut kennenlernen. Ich erhielt Klarheiten, die keinen Widerspruch und keinen Zuspruch brauchten.

Als ich aus dem Fenster blickte sah ich einen wunderschönen Tag anbrechen, mit blauem Himmel und Sonnenschein.

Ganz anders als Stunden zuvor fühlte ich mich auf einmal frisch, gesund, fröhlich und voller Frieden. Ich empfand innige Verbundenheit mit mir selbst, meinen liebsten Menschen, mit Gott und Andreas.

Dann, ganz plötzlich, eröffnete sich mir ein wunderbarer Moment, den ich seither meinen Gnadenmoment nenne. Aus ihm wurde eine unglaublich große, stille, tiefe, gnadenvolle Dankbarkeit geboren.

Es war eine überwältigend schöne Erfahrung. Ich saß nur mehr da, atmete und weinte vor Freude. Ich war eingebettet in eine bedingungslose Liebe. Es war wohl so, dass die Dankbarkeit der Liebe den Weg bereitete.

Mein Leben lag mit allem Schönen und genauso mit dem Schwierigen vor mir und ich begann immer wieder zu sagen: «Danke, danke es geht mir gut! Es geht mir wirklich gut!»

In mir und um mich war nur mehr Dankbarkeit.

Ich spürte meinen Herzraum voller Energie, so als wäre da nur mehr Licht. Ein Licht, das vollkommen geschützt und ewig schien.

Mit erstaunlicher Sicherheit wusste ich, dass ich jederzeit die Möglichkeit habe, auf diese Erfahrung zurückzugreifen, da sie als tiefes Wissen in mir lebendig ist.

Danach kam aus meinem Inneren heraus die Aufforderung ein Buch zu schreiben mit dem Titel: «Danke es geht mir gut». Das war meine Gelegenheit. Ich tat es, landete bei Bruder David, dadurch bei einem dankbar leben-Netzwerk und gründete eine dankbar leben Gruppe. Seither gehe ich sehr bewusst den Weg der Dankbarkeit und mein Leben hat sich sehr zum Positiven verändert.

Dankbar leben hat noch ein paar grundlegende Merkmale:

Zuvor noch ein paar Worte zu Bruder David

Er ist ein 96jähriger Benediktiner Mönch, der in Amerika in ein Kloster eintrat, nachdem er nach dem Krieg und nach Abschluss seines Studiums auswanderte. Er ist Brückenbauer zwischen den Religionen, vor allem beschäftigte er sich mit dem Buddhismus. Er ist Friedensaktivist und ein wahrer Mystiker unserer Zeit, neben dem Dalai Lama und Tich Naht Hanh. Vor allem aber hat er sein Lebenswerk der Dankbarkeit gewidmet. Ihr könnt mehr in seinen zahlreichen Büchern erfahren. Die umfangreichste und beste Quelle zu seinem Lebenswerk findet ihr jedoch in der Bibliothek David Steindl-Rast OSB, die von Klaudia Menzi-Steinberger aus der Schweiz ins Leben gerufen wurde.

Ich erwähne Bruder David, weil er uns ganz wunderbare Möglichkeiten zur Übung des dankbaren Lebens zur Verfügung stellt. Folgender Übungsweg, den er wie er sagt von seiner Mutter gelernt hat, als sie ihm beibrachte über die Straße zu gehen.

Es ist tatsächlich eine wunderbare Möglichkeit in dankbar leben einzutauchen:

Stop – look – go

Und jetzt komme ich auf die Merkmale von dankbar leben zurück und beschreibe es in deutscher Sprache mit dem wichtigsten Schritt ganz zu Beginn.

  • Innehalten – zur Ruhe kommen, ganz bei dir selber im Herzen ankommen, im gegenwärtigen Augenblick und dann
  • genau hinzuschauen, zu betrachten, zu erkennen – mit allen Sinnen, ganz besonders auch hinzuhorchen.
  • Dies erfordert aktives TUN, handeln – dem Leben antworten.
  • Grundlegend ist auch, dass dankbar leben das Leben selbst, jeden einzelnen Augenblick als Geschenk betrachtet.
    Wir haben es uns nicht verdient, gekauft – wir bekamen es geschenkt, bedingungslos.

Es ist ein spiritueller Weg, der mit unserem Lebensweg eng verwoben ist. Wir können frei entscheiden, wie wir damit umgehen. Obwohl der Weg einfach ist, ist er doch nicht leicht, weil stetiges dranbleiben, verinnerlichen und üben wichtig ist. Dann geht es in einen Seinszustand über und du bist so.

Was heißt jetzt mit dem Herzen verbinden – aus dem Herzen sein, sprechen, hören ……

Am besten, wir üben dies jetzt praktisch und gehen kurz in die Stille des Herzens.

Lass das Herz mit dir kommunizieren – sei neugierig wie ein Kind – achte auf alle Sinne.

(Freie Anleitung mit der Frage: Wer möchtest du sein, wenn du die beste Variante von dir erschaffst?)

Durch diese Übung sind wir ins Herz gegangen – ganz individuell. Gleichzeitig haben wir uns auch untereinander verbunden – sind in einem gemeinsamen Raum angekommen, haben eine Basis geschaffen, von der aus wir gemeinsam losgehen können und haben uns verbunden mit der Quelle, dem Urgrund oder dem göttlichen, wie du es nennen magst.

Dankbar leben tut uns auch so gut, weil es zwei Grundbedürfnisse von uns stillt:

  • Die Individualität: ich in meinem Herzen, ganz bei mir in der Stille.
  • Die Verbundenheit – in der Gemeinschaft sein, zuhören, hinspüren zum Anderen, uns austauschen.

Wir lernen voneinander, begegnen uns auf Augenhöhe, respektvoll.

Eine weitere Möglichkeit, dankbar leben zu üben und zu erfahren und ganz viel dabei mitnehmen zu können, sind die dankbar leben-Gruppen oder Netzwerke.

Bruder Davids Wunsch ist es, kleine Netzwerke mit Wegen von Haus zu Haus, über die ganze Welt, entstehen zu lassen.

Ein Netzwerk ist etwas Tragendes, Haltgebendes.

Menschen kommen zusammen im Namen der Dankbarkeit und tauschen sich in einem Gesprächskreis im Dialog aus.

1.  Stille (ist das Wichtigste) auch beim Straße überqueren.

2. Impuls – Sprechbeginn (3 Minuten höchstens – was sich aus dem Herzen mitteilen will,
    alle anderen hören zu – aus dem Herzen.
    Keine Bewertungen, keine Ratschläge, keine Diskussionen.
    Wenn etwas berührt, kann man das sagen und es mit sich in Verbindung bringen.
    Dauer: 2-3 Runden.

3. Abschluss – Stille – verinnerlichen.

4. ENDE

Herzlichen Dank für eure Aufmerksamkeit, für euer Mittun. Ich hoffe, ich konnte euch anregen und euer Herz bereit machen, mitzuweben am weltweiten Netzwerk dankbar leben.

Wir müssen alles was wir für die Welt wollen auch leben. Wir müssen lernen bewusst durch das Leben zu gehen. Dann berühren wir uns und andere. Ergreift jede Gelegenheit dazu.

Danke von Herzen

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von links: Andrea, Silvia, Gabriela

             

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