Texte von Bruder David

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Je mehr wir uns in diesen anspruchsvollen Vortrag  von Franz Kuno vertiefen, umso mehr verstehen wir, wie sehr er von einem archimedischen Punkt aus spricht, der weit entfernt ist vom damaligen wie auch heutigen Zeitgeist. Es geht um das Einüben einer kindlichen Haltung: Bereitschaft lernen, staunen, unvoreingenommen Kunst zu betrachten. Am bekanntesten Gebet der Christenheit, dem Vaterunser, zeigt Franz Kuno auf, dass wir nur in dieser kindlichen Haltung in den Innenraum von Religion und Kunst eintreten können, und dass «der Erwachsene nur auf dem steilen, leidvollen Weg der Versenkung zu dem gelangen kann, was hier den Kindern gnadenhaft in den Schoss fällt. Sicher ist aber auch, dass gerade solche unmittelbaren Bilder es sind, deren unsere Zeit bedarf, um wie in einem magischen Bann der Ordnung gegenübergestellt zu werden, zu Rettung und Gericht.»
Mit unmittelbaren Bildern meint Franz Kuno: «Solche unmittelbaren Bilder kommen in der Kinderkunst sehr häufig vor, sie entspringen der Schau nach innen, aus der dem Kind unbewussten traumhaften Eingesponnenheit. Wo wir ihnen in der Kunst begegnen, sind sie Hervorbringungen tiefster künstlerischer Versenkung in den Urgrund, in dem Urgrund und Abbild noch gemeinsam wurzeln, und mit dem die Kinder eben innerlich verwachsen sind.»   (späte 1940iger)

«Von ganz naheliegenden Dingen wollte ich nur schreiben, vom Singen, vom Essen und Trinken, vom Tanzen und vom an die Brustschlagen beim Confiteor, und davon, dass wir mehr Mut haben sollten zu starken und wahren Gebärden», dann aber schreibt Franz Kuno vom ihm Nächstliegenden und zugleich dem kühnsten Flug menschlichen Geistes unerreichbar Fernsten, der abgründigen Quelle: «Gott ist die Liebe». Aus dieser Quelle «Vater» fliesst die Schöpfung, aus dieser Quelle wird das Böse, das sich im Hass manifestiert, im «Kreuz des Sohnes» in Liebe umgewandelt, und all unsere Schmerzen und unser Leid werden zu Geburtsschmerzen für die Neuschöpfung durch den «Hl. Geist». Aus diesem Nächstliegenden gilt es, das Naheliegende zu tun: «Gestaltet!» (späte 1940iger)

1947


Der Vortrag  des 21 jährigen Franz Kuno war für alle Anwesenden auch ein optisches Erlebnis dank den im Saal ausgestellten Kinderzeichnungen. Inhalt  und Ziel des Vortrags war, Menschen, die mit Kindern gestalterisch arbeiten, für die Bedürfnisse der Kinder und kindgerechte Kunst zu sensibilisieren. Der Anspruch ist hoch: «Wer für Kinder arbeitet, muss dieser Arbeit ganze Bereitschaft, restlose Hingebung und das Äußerste an künstlerischer Auseinandersetzung opfern, dessen er fähig ist. (1947)

Ein Kunstwerk ist angewiesen auf Menschen, die bereit sind, es wahrzunehmen, zu schauen und zu lauschen. Bruder David beschreibt in dieser Niederschrift  in Bildern und Versen von R. M. Rilke die Welt, die ihm die «Unvollendete Sinfonie» von Franz Schubert erschlossen hat.  (1947)

1946


Im Januar 2022 hat Bruder David ein Originalmanuskript  (mit österreichischem Zensurstempel) zu einem Vortrag zur Verfügung gestellt, das er selber um 1946 geschrieben hat noch unter seinem Geburtsnamen Franz Kuno Steindl-Rast. Dieser Vortrag führt uns zu den biografischen Wurzeln von Bruder David, seiner Analyse der realen und geistigen Situation im bombenzerstörten Wien und seinem wachen Gespür für die Vorboten der Wende in Religion und Kultur, synchron mit den Naturwissenschaften: Der Vortrag ist ein Weckruf des 20 jährigen Mannes, auf der Grundlage einer Revolution der Herzen die Aufgabe der Kunst verbindlich wahrzunehmen, und folgerichtig für die Ausbildung junger Künstler neue Formen zu entwickeln in Richtung Zusammenleben mit Lehrern, Bildhauern, Malern, Musikern, Dichtern und Tänzern unter einem Dach. (ca. 1946)

1945


In diesem Vortrag um 1945 begegnen wir erstmals dem für Bruder David zentralen Begriff, «Ordnung», der ebenso missverständlich ist wie die Begriffe «Gehorsam», «Disziplin». Mehr als sechs Jahrzehnte später wird er ihn in einer Gesprächsreihe mit P. Johannes Pausch einbetten ins Umfeld seines Lieblingsbegriffs «Welthaushalt»: Wenn Bruder David von Ordnung spricht, dann dürfen wir in diesem Vortrag bereits Augustins «Ordo est amoris» heraushören. (ca. 1945)

 

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