Pressebericht über David Steindl-Rast OSB

vierCopyright © - Wilfried F. Noisternig

Es kommt so hager daher, wie der Autor selbst, das Büchlein, das Bruder David Steindl-Rast über das Älterwerden und Reifen vorgelegt hat. Der weltgewandte Benediktinermönch und religiöse Grenzgänger strahlt selbst in seiner physischen und geistigen Präsenz eine Lebenshaltung aus, die auf das Wesentliche konzentriert ist, ohne dass das Hier und Jetzt zweitrangig oder gar abgewertet würde.

David Steindl-Rast, der 1926 in Wien geboren ist, geht in seiner Hinführung zum Alter von vier Fragen aus, die uns nicht in der Vergangenheit festhalten und nicht von der Zukunft fantasieren lassen, sondern „die uns im Jetzt bewegen“, in diesem Schnittpunkt von Zeit und Ewigkeit:

vier lebensalter vier fragen foto dsrZunächst eine Frage, die mit unserer Jugend zu tun hat, damit, wie wir durchs Leben gehen, mit dem Morgen. Und das ist eine Frage, die sich jeden Morgen neu stellt. Oder sich jedes Jahr mit dem Frühling erneuert. Diese Frage am Morgen heißt: „Wonach sehnen wir uns?“

Die Frage, die sich uns dann in der Lebensmitte stellt, am Mittag, im Sommer unseres Lebens, das ist die Frage: „Wie können wir überstehen?“ Wenn alles auf uns hereinbricht, wenn alles unter uns zusammenbricht: Wie können wir überstehen?

Eine dritte Frage, die Frage der Lebensreife, des Herbstes, des Abends:
„Woran reifen wir?“ Nicht in der Zukunft, nicht in der Vergangenheit, sondern jetzt, im gegenwärtigen Augenblick: Was macht uns jetzt reifen?

Schließlich für die Lebensneige, für den Winter, für die Nacht die Frage: „Was tröstet uns?“
Der Mystiker, der jenseits aller institutionellen Schranken den einen, allen Menschen gemeinsamen Gott sucht, nimmt für die vier Lebensfragen Anleihe bei seinen beiden „Lieblingsdichtern“ Rainer Maria Rilke und Joseph von Eichendorff. Darüber hinaus fließen Erfahrungen des Alltags ein, die der Leserin, dem Leser ohne Hürden zugänglich sind. So ist die Rede von drei Uhren, die ein Künstler gestaltet hat. Auf der ersten steht „Jetzt“, auf der zweiten „now“, auf der dritten „Lukas 17,21“, jene Stelle aus dem Lukasevangelium, in der Jesus sagt: „Das Reich Gottes ist jetzt schon unter euch.“ Damit schließt sich für Bruder David der Bogen der Lebensfragen: mit der Dankbarkeit, die tröstet, und dem Jetzt, „welches die grossen Fragen beantwortet, die uns bewegen“.



Quelle: Salzburger Nachrichten vom 24.01.2012

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