Pressebericht über David Steindl-Rast OSB in den Vorarlberger Nachrichten, von Rudolf Bischof, Bischofsvikar Feldkirch, Österreich

wir sind schon ueb schwelle li phaceliaCopyright © - Dr. Rainer Lihotzky

Das Weihnachtsfest ist vorbei, die Schwelle zum neuen Jahr schon überschritten. Vielleicht ganz anders als in vergangenen Jahren, stiller, mit weniger Menschen. So war uns aber auch etwas mehr Zeit zum Innehalten geschenkt. David Steindl Rast OSB, der uns für diese Zeit viele wertvolle Impulse schenkt, hält dieses Innehalten für sehr wertvoll. Wenn wir innehalten, so meint er, dann lassen wir uns im Leben nicht einfach treiben, dann stellen wir uns dem Leben. Dann können wir in jeder Situation auch einen positiven Anfang finden und das Leben selbst in die Hand nehmen und dankbar werden für jede geschenkte neue Chance. Aber es kommt darauf an, dass wir diesen gefundenen Anfang wagen und angehen. Dadurch können wir wieder neu Selbstvertrauen und Lebensfreude gewinnen. Und das ist das schönste Geschenk, das wir vom Fest der Geschenke mitnehmen können in das neue Jahr.

Zurücklassen der Angst

Weihnachten ist für uns ein schönes, fast romantisches Fest. Der Lichterbaum oder eine Heimatkrippe drücken dies aus. Doch der Ursprung von Weihnachten war gar nicht so niedlich und romantisch. Da ist viel von Furcht und Angst die Rede, wie wir sie auch in diesen Tagen erleben. Maria fürchtet sich, wie das alles wohl geschehen kann, Josef fürchtet sich und überlegt, sie heimlich zu verlassen, die Hirten fürchten den unbekannten Gesang der Engel, und Herodes fürchtet sich vor einem neuen Konkurrenten. Und allen wurde und wird auch uns gesagt: Fürchtet euch nicht.
Angst hat jeder Mensch. Seit der Geburt begleitet sie uns. Immer wieder gelangen wir in unserem Leben wie vor der Geburt in eine Enge, aber wie bei der Geburt kennt die Angst auch das Lebensvertrauen. Dieses Vertrauen sagt: Es gibt immer einen Weg hindurch, auch wenn es ganz schwierig sein wird. Und wenn wir in solchen Momenten auf das Leben zurückschauen und uns an frühere Situationen der Angst erinnern, dann spüren wir, dass die schwierigsten Situationen oft zu den schönsten wurden, weil es etwas wie eine Neugeburt gab. Und eine solche wünschen wir uns für das kommende Jahr, an dessen Schwelle uns manche Angst plagt und in dem noch viele Situationen der Enge auf uns warten, für die uns aber auch die Hoffnung des Durchkommens geschenkt wird.
Eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte von Ulrich Peters schenkt uns Hilfen für einen solchen Weg. Sie erzählt von drei merkwürdigen Gästen an der Krippe. Nachdem die Hirten weggegangen waren, traten sie zu dem Kind.

Lebensfreude entdecken

Die erste Gestalt in einem bunten Fleckenkleid war die Lebensfreude. Sie meinte, die Menschen hätten die Lebensfreude verlernt und sind traurig geworden bis ins Herz hinein, weil sie die Dankbarkeit verlernt hätten und alles selbstverständlich geworden sei. Aus diesem Vergessen erwachse Gleichgültigkeit und irgendwann Verzweiflung. Darum sei es kalt geworden in dieser Welt.

Zeit schenken

Die zweite Gestalt mit einem gehetzten Blick meinte, sie sei die Zeit. Zu viele Menschen hätten keine Zeit mehr und meinen, sie vergehe im Fluge. Doch die Menschen haben das große Geheimnis vergessen: Zeit vergeht nicht, sie entsteht – wie eine Blume, wie ein Baum. Zeit trägt den Keim der Ewigkeit in sich; sie wächst überall dort, wo man sie mit anderen teilt. Wo ich Zeit schenke, dort vermehrt sie sich.

Liebe leben

Dann kam die dritte Gestalt mit einem Gesicht, das viele Narben trug. „Ich bin die Liebe!“, begann sie zu sprechen. „Es ist nicht leicht, an die Liebe zu glauben, wenn sie immer wieder enttäuscht wird. Zurück bleiben Narben, die nicht verheilen wollen. Ich schenke dir diese Liebe!“, sagte die Liebe zu dem Kind. Dann drehte sie sich um und sagte. „Dieses Kind wird zu einem leuchtenden Stern, der alles andere in den Schatten stellt. Man wird es zwar zum Narren machen, und alle, die ihm nachfolgen, werden ausgelacht. Aber es wird den Menschen die Lebensfreude zurückgeben, eine Freude, die über den Tod hinausreicht. Und weil es die Liebe bis in den Tod beweist, wird die Welt nie mehr so sein wie früher.“ Dann rief die Liebe den Menschen im Hintergrund noch etwas lauter zu: „Wer sich dem Licht dieses Kindes anvertraut, der braucht keine Finsternis zu fürchten!“

In dieser Geschichte ist so viel Botschaft von Weihnacht, Geburt und Lebensfreude:

Wo wir innehalten und uns Zeit nehmen, unser Leben anzuschauen, da entdecken wir auch die Knospen einer neuen Chance, da können wir Lebensfreude finden, weil wir uns in Liebe mit anderen Menschen und der Natur verbinden, da verlieren wir die Angst, weil wir beginnen, die nächsten Schritte zu setzen.

Dann können wir die Weisheit von Steindl Rast leben: Mit Innehalten, Innewerden und Handeln lässt sich Lebendigkeit üben. Freude einer Geburt entsteht.



Quelle:  Vorarlberger Nachrichten vom 02/03.01.2021
, Österreich,  (2021)

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