+Liebe Freunde,

1 weihnacht neujahr 2018Von Herzen dankbar für Eure lieben Grüße und guten Wünsche, würde ich sie gerne einzeln beantworten. Da mir das aber nicht möglich ist, bitte ich Euch diesen allgemeinen Gruß ganz persönlich zu nehmen. In dieser dunklen Jahreszeit sehnen wir uns ja danach, von Herz zu Herz Liebe zu spenden und zu empfangen, wie wenn sich Kerze zu Kerze neigt, um das Licht weiterzugeben. Auch uralte Lichtfeste feiern in diesen Tagen, in denen die Wintersonnenwende uns neue Hoffnung schenkt, das Geheimnis vom „Licht in der Finsternis.“ Damit wir Weihnachten, Hanukkah, Diwali, Buddhas Erleuchtungstag, oder auch die Laternen am St. Martinstag und die Lichterkronen am Fest der Hl. Luzia mit rechtem Verständnis feiern können, müssen wir das IN von „Licht IN der Finsternis“ als das entscheidende Wörtchen erkennen und ernstnehmen. Schon, dass das Licht in die Finsternis hineinstrahlt, entzückt unsere Augen immer wieder aufs Neue. Ein noch viel größeres Entzücken aber ist es für unsere Herzensaugen, die Finsternis selbst als Licht aufstrahlen zu sehen. Darin liegt das Geheimnis von „Licht IN der Finsternis.“

Wie sollen wir das verstehen? Nur unsere eigene Erfahrung kann es uns lehren. Wie aber können wir es erfahren? Nur, wenn wir ganz still und wachsam werden. Die frühe Dämmerung von Winterabenden ist eine Zeit, die sich für solch eine wachsame innere Stille eignet – ein Augenblick, in dem „der Schleier zwischen den beiden Welten sehr dünn ist“, wie die keltische Tradition sagt. Vielleicht hast Du eine Kerze angezündet und ruhst jetzt in ihrem warmen Schein. Genieße dieses Gefühl; lass Dich darin versinken; raste so lange darin, wie Du Dich geborgen fühlst. Wenn Gedanken aufsteigen, wende sie dem Augenblick zu, in dem Du kurz zuvor diese Kerze angezündet hast. Bringe die Erinnerung daran sanft vom Kopf ins Herz, bis Du gleichzeitig das konstante Licht im Bewusstsein hast und das Aufflammen des Zündholzes, das dieses Licht in den dunklen Raum bringt. Das sollen aber nicht Kopfgedanken sein, sondern ein Herzbewusstsein. Forciere nichts. Halte nur das Ganze in ruhigem Gewahrsein: das Kerzenlicht, die Zündholzflamme und die Dunkelheit davor. Dann versuche langsam Folgendes: Gerade so, wie Du Dich in das Licht sinken ließest, lass’ Dich jetzt in die Dunkelheit sinken. Das erfordert etwas Mut, aber ich denke, dass es Dir gelingen wird.

Sobald Dir das gleichzeitige Gewahrsein des Kerzenlichtes und seines Aufleuchtens aus dem Dunkel gelingt, hast Du einen Anhalts-punkt gefunden, 2 weihnacht neujahr 2018um „das Geheimnis des Ursprungs“ zu verstehen. Du wirst dieses Geheimnis immer wieder finden können, sooft Du die Augen deines Herzens mit ebenso vertrauensvoller Aufmerksamkeit auf etwas richtest – irgendetwas. Fast so leicht wie bei der Kerze geht es etwa beim Blick in den offenen Kelch einer Schneerose, in die Augen einer Katze oder gar eines Dir lieben Menschen, Dich so tief darein zu versenken, dass Du bis in den Schoß der Dunkelheit schauen kannst, aus dem alles seinen Ursprung nimmt. Wenn Du nur erst einmal in Übung bist, so tief zu schauen, dann wird Dir das nicht nur bei diesen leichten Beispielen gelingen, sondern bei allem, was immer es sei. Und wenn Du lernst, Dich vertrauensvoll diesem Mutterschoß der Dunkelheit anzuvertrauen – „Dunkelheit, aus der ich stamme,“ nennt sie Rilke – dann wirst Du auch mit neuen Augen auf alles Dunkle in dieser Welt schauen. Mit neuem Mut und neuer Kreativität wirst du Wege finden, Licht aufleuchten zu lassen, denn Du wirst Dich nicht mehr fürchten vor der Dunkelheit. Wir wollen ihr erschütterndes Grauen keinesfalls unterschätzen, aber wir wissen: sie ist nur noch nicht Licht.

Diesen Mut und diese tatkräftige Entschlossenheit wünsche ich Euch und mir selber in dieser festlichen Zeit und im ganzen kommenden Jahr 2019.

Von ganzem Herzen,

Euer Bruder David

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